News

News

Veranstaltung 7. Mai 22:

Die Feindschaft zwischen Deutschland und Frankreich im 19. Jahrhundert hat das Leben des lothringischen Komponisten Théodore Gouvy bestimmt. Mit einer Diskussion über Einigkeit und Innigkeit in Europa und einer Europapass-Aktion möchte das Ensemble Les Lumières in seinem Kulturprojekt „Der Fall Théodore Gouvy – Opera Sacra“ eine Einführung in Leben und Wirken des deutsch-französischen Kompo-nisten geben und stellt sein unvollständig gebliebenes Werk vor: Die Kantate für gemischten Chor, Soli und Orchester Golgatha/Sion ou le Calvaire.

Théodore Gouvy wurde 1819 als jüngster Sohn einer wohlhabenden französischen Industriellenfamilie geboren. Nachdem er sein Jurastudium wegen seiner deutschen Staatsbürgerschaft abgebrochen hatte, widmete er sich verstärkt der Musik. Gouvys Mutter hatte bereits 1834 einen Antrag auf Einbürgerung gestellt, doch nach französischem Recht musste man dafür zehn Jahre lang in Frankreich ansässig sein. Gouvy wurde erst mit 32 Jahren Franzose. Als Ausländer wurde er nicht am Pariser Konservatorium zugelassen und war gezwungen, Privatunterricht zu nehmen. Gouvy hatte es schwer beim Pariser Publikum anzukommen und konnte daher viele seiner Werke nur auf eigene Kosten aufführen. Er hatte jedoch die Gelegenheit, einige Male in Deutschland aufzutreten, wo er freundlicher aufgenommen wurde. Die Allgemeine Deutsche Zeitung beschrieb Gouvy als gebürtigen Franzosen, der den deutschen Ernst mit der Eleganz seines  Heimatlandes zu verbinden wusste. Die Realität war leider eine andere: zu deutsch für die Franzosen und zu französisch für die Deutschen. Zur Aufführung kommt Golgatha/Sion ou le Calvaire, eine Kantate für gemischten Chor, Soli und Orchester, für die Gouvy den französischen Text und die Musik schrieb. Gouvy hatte vor, eine Transkription für Kammermusikensemble für den Salon der Pauline Viardot in Baden-Baden, die eine Salonorgel besaß, anzufertigen. Leider hat er dieses Arrangement nicht beendet. Wir möchten daher das Werk dort fortsetzen, wo der Komponist es verlassen hat.